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	<title>Gauland &#8211; zitronenmarmela.de</title>
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		<title>Fall Krah: Die Basis muss es richten</title>
		<link>https://zitronenmarmela.de/2024/05/23/fall-krah-die-basis-muss-es-richten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Simon Niederleig]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 May 2024 21:50:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn Krah mit seinen Äußerungen einen taktischen Fehler gemacht haben sollte  – was man durchaus so sehen kann – dann hat die Reaktion des Bundesvorstands diesen Fehler verschlimmert, anstatt ihn zu heilen. Die Parteibasis muss sich jetzt zu Wort melden und die AfD wieder auf Kurs bringen, wie sie es schon so oft getan hat. ]]></description>
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<p><strong>Wenn Krah mit seinen Äußerungen einen taktischen Fehler gemacht haben sollte – was man durchaus so sehen kann – dann hat die Reaktion des Bundesvorstands diesen Fehler verschlimmert, anstatt ihn zu heilen. Die Parteibasis muss sich jetzt zu Wort melden und die AfD wieder auf Kurs bringen, wie sie es schon so oft getan hat.</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="840" src="https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2024/05/Fall_Krah-1024x840.jpg" alt="" class="wp-image-1032" srcset="https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2024/05/Fall_Krah-1024x840.jpg 1024w, https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2024/05/Fall_Krah-300x246.jpg 300w, https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2024/05/Fall_Krah-768x630.jpg 768w, https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2024/05/Fall_Krah.jpg 1272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Es wird wieder ernst: Quo vadis, AfD? / Bearbeitetes Bildmaterial von Wikimedia Commons. Fotografen: Marcus Popillius (Krah), Sandro Halank  (Weidel und Höcke). Lizenz jeweils: CC BY-SA 4.0  (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/)</figcaption></figure>



<p>&#8222;Mut zur Wahrheit&#8220;, so lautete der Wahlspruch der AfD in ihrem ersten Bundestagswahlkampf. Und tatsächlich hat die AfD in ihrer kurzen Geschichte viele heiße Eisen angepackt: 2015, auf dem Höhepunkt der &#8222;Willkommenseuphorie&#8220;, prangerte sie den Missbrauch des Asylgesetzes an und machte sich für Grenzschutz stark. Das brachte ihr den absurden Vorwurf ein, sie fordere den &#8222;Schießbefehl&#8220;. Bereits im Grundsatzprogramm 2016 setzte die AfD sich für den Weiterbetrieb der bestehenden Atomkraftwerke ein. Das war im &#8222;von der Energiewende begeisterten Deutschland&#8220; von damals eine ebenfalls absolut unpopuläre Forderung. Im gleichen Programm formulierte die AfD damals, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre, was ebenfalls einen massiven medialen Aufschrei verursachte. Der Nachsatz, dass integrierte Muslime sehr wohl zu Deutschland gehören können, wurde natürlich bei der Skandalisierung unterschlagen. Die AfD hat für diese und andere Positionen offensiv geworben, statt vermeintlichen Mehrheitsmeinungen hinterherzulaufen. Die Zeit hat ihr recht gegeben. AfD-Positionen, die ehemals als absolut randständig galten, sind in der deutschen Bevölkerung heute mehrheitsfähig. Scheinoppositionelle Parteien wie CDU/CSU und Freie Wähler kopieren mittlerweile diese AfD-Inhalte eins zu eins in ihre Wahlprogramme. So wollen Altparteien der AfD vor Wahlen das Wasser abgraben, um sich dann nach der Wahl mit links-grünen &#8222;Projekten&#8220; zu überbieten.<br><br>Durch ein paar sinnentstellend zitierte Passagen des AfD-Spitzenkandidaten Maximilian Krah wurde jetzt kurzzeitig die deutsche NS-Vergangenheit ins Zentrum der Debatte gerückt. Wer sich <a href="https://x.com/SNiederleig/status/1793756229451583834">Krahs Sätze im Zusammenhang</a> anschaut, wird nichts Verwerfliches daran finden können. Doch reflexhaft wird dieses Thema auch aus der AfD als &#8222;unwichtig&#8220; und &#8222;Ablenkung von wichtigeren Themen&#8220; gebrandmarkt. Der Bundesvorstand der AfD hat sich eilfertig distanziert und Krah ein &#8222;Auftrittsverbot&#8220; erteilt. Vom &#8222;Mut zur Wahrheit&#8220; ist da nichts mehr zu spüren. Offensiv verteidigt werden Krahs sachlich richtigen Äußerungen schon gar nicht. Schlimmer kann man einem Spitzenkandidaten nicht in den Rücken fallen. Der Schaden für die Partei ist immens.<br><br>Wenn Krah im Wahlkampf auf die deutsche NS-Vergangenheit zu sprechen kommt, dann ist das absolut KEIN Nebenthema. Es ist das zentrale Thema, mit dem die AfD immer wieder in die &#8222;braune&#8220; Ecke gestellt wird. Die Deutungshoheit über diesen Themenbereich kann die AfD aber nicht gewinnen, indem sie kuscht. Beim Wähler kommen durch solches Zurückweichen zwei unterschwellige Botschaften an: Zum einen wird es als implizites Schuldeingeständnis aufgefasst, zum anderen entsteht der Eindruck, die AfD traue es ihren potenziellen Wählern nicht zu, sich im Zuge einer differenzierten Debatte ein qualifiziertes Urteil zu bilden.<br><br>Wenn der AfD-Vorstand in dieser Art kuscht und sich schamlos der &#8222;Cancel Culture&#8220; bedient, sobald ihm dies machtpolitisch irgendwie vorteilhaft erscheint, dann wird er selbst Teil des deutschen Problems. Denn die politisch-korrekte Tabuisierung inhaltlich richtiger Postionen zugunsten politischer Tagesgewinne hat unser Land an den Abgrund gebracht, an dem es heute steht.<br><br>In Ostdeutschland haben einige führende AfD-Politiker die fatale Wirkung solcher Anbiederungsversuche an den Mainstream bereits tiefer verinnerlicht. Besonders standfest in dieser Frage ist wohl fraglos Björn Höcke. Er erklärte bereits sehr früh in mehreren Reden, dass die Wiederherstellung der Meinungsfreiheit für ihn nicht ein Thema unter vielen ist, sondern DAS Thema, an dem sich das Schicksal unseres Landes entscheiden wird. Die politische Korrektheit ist das letzte verbliebene Machtinstrument der Altparteien im Diskurs. Wer dieser falschen Korrektheit seinen Kotau macht, der behindert aktiv positive Veränderungen in unserem Land.<br><br>Wenn Krah mit seinen Äußerungen einen taktischen Fehler gemacht haben sollte – was man durchaus so sehen kann – dann hat die Reaktion des Bundesvorstands diesen Fehler verschlimmert, anstatt ihn zu heilen.<br><br>Nach der Europawahl, auf dem Bundesparteitag in Essen, ist der richtige Zeitpunkt, um die Fehler, die in diesem Wahlkampf vom Bundesvorstand gemacht wurden, aufzuarbeiten und Konsequenzen daraus zu ziehen. Die Parteibasis muss sich jetzt zu Wort melden und die AfD wieder auf Kurs bringen, wie sie es schon so oft getan hat (siehe Lucke, Petry, Meuthen). Nach einer kurzen Delle in der Zustimmung ging es nach der Befreiung von politisch-korrekter Selbstfesselung immer wieder bergauf. Umgekehrt wird ein fortgesetzter Angstkurs aber niemals zum Erfolg führen. Denn der Bürger will eine Partei, die selbst Mut hat und damit den Menschen im Lande Mut macht. Und der Bürger will auf gar keinen Fall eine Partei, die das Spiel des Establishments mitspielt und &#8222;Cancel Culture&#8220; durch eigene Nutzung legitimiert.<br><br>Die Mitglieder der AfD sollten sich aber durch die jetzigen Vorkommnisse nicht wieder in Lager aufspalten lassen. Auch für den Bundesvorstand kann es keine Kollektivschuld geben. Man muss sich ruhig aussprechen und sachlich schauen, wer welchen Einfluss auf diese Fehlentscheidung genommen hat (Wo war Brandner? Wo Gauland? Wo Chrupalla?). Notfalls müssen wieder &#8222;Köpfe rollen&#8220; – auch ganz an der Spitze. Für die wichtigen Wahlen im Osten muss jedenfalls sichergestellt werden, dass sich ein solcher Dolchstoß, wie gegen Krah, nicht wiederholen kann.<br><br>Die Wähler und Wahlkämpfer der AfD werden bei dieser EU-Wahl jedenfalls auf eine harte Probe gestellt. Glücklicherweise hat sich schon ein hartgesottener Kern von Stammwählern herausgebildet, den auch solche Stromschnellen nicht mehr schrecken. Mit elf Jahren ist die AfD historisch betrachtet immer noch eine sehr junge Partei. Was hier im Fall Krah passiert ist, gehört sicher immer noch zu den Geburtswehen einer Partei, die ihren eigenen Weg noch finden muss. Eine &#8222;Professionalisierung&#8220;, im Sinne einer Nachahmung anderer Berufspolitikervereinigungen, wäre jedenfalls ein tödlicher Irrweg.<br><br>Dass alle Fehler der AfD heute besonders schmerzlich sind, liegt sicher daran, dass unsere Nation derzeit fast schon auf dem Sterbebett liegt; da spürt man jeden Behandlungsfehler doppelt. Und es bleibt der AfD auch nicht mehr viel Zeit, das Schlimmste für unser Volk und Land abzuwehren. Dass die AfD die Kraft hätte, doch noch etwas für Deutschland zu retten, erkennt man an dem Furor, mit dem sie von den Etablierten bekämpft wird. Würde die Wahl der AfD tatsächlich nichts ändern, hätte man nicht solche Angst vor ihr. Es besteht also immer noch Grund zur Hoffnung. Das von Merkel geschaffene Altparteienkartell spielt allerdings auf Zeit. Diese Zeit darf der Wähler diesem Kartell nicht gewähren. Der Druck aufs politische Establishment muss stetig erhöht werden. Die AfD muss ihre Wähler jetzt um Nachsicht und Vertrauen bitten – trotz allem, was passiert ist, und auch trotz allem, was notwendigerweise noch passieren muss.<br><br>&#8212;<br><br>Auch veröffentlicht auf compact-online.de: <a href="https://www.compact-online.de/fall-krah-die-basis-muss-es-richten/">https://www.compact-online.de/fall-krah-die-basis-muss-es-richten/</a></p>
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		<title>Loblied auf die Depression</title>
		<link>https://zitronenmarmela.de/2017/08/13/loblied-auf-die-depression/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Simon Niederleig]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Aug 2017 07:19:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Über die Depression als persönliches Warnsystem.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Über die Depression als persönliches Warnsystem.</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="655" src="https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2022/06/alone-g285de58eb_1280-1024x655.jpg" alt="Depression" class="wp-image-223" srcset="https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2022/06/alone-g285de58eb_1280-1024x655.jpg 1024w, https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2022/06/alone-g285de58eb_1280-300x192.jpg 300w, https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2022/06/alone-g285de58eb_1280-768x491.jpg 768w, https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2022/06/alone-g285de58eb_1280.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Depression, Quelle: pxabay.com</figcaption></figure>



<p>Wahrscheinlich soll man das nicht und wahrscheinlich „darf“ man das auch gar nicht: Krankheit und Politisches miteinander vermischen. Es ist „unsachlich“ und „unprofessionell“. Dennoch soll es in diesem Text gewagt werden. Vier Jahre in gruppentherapeutischer Behandlung waren für mich nötig, um meine eigene Depression zu überwinden. Damals erreichte die Arbeitslosenzahl unter Gerhard Schröder die Rekordmarke von 5 Millionen Arbeitslosen. Die gesellschaftliche Stimmung schien sich im Großen und Ganzen damit abzufinden. Es gab lahme Debatten darüber, ob es nicht Arbeitsplätze schaffen würde, wenn man auch nach 18 Uhr noch eine Tüte Milch kaufen könnte. In meinem studierten Fach sahen die Arbeitsmarktchancen damals besonders düster aus. Ich habe die politischen Debatten seinerzeit als wahnsinnig empfunden und hatte den Glauben an eine Veränderung unserer Gesellschaft weitgehend aufgegeben. Ich zog mich lange Jahre in mein Bett zurück, mit Horror-Literatur, am liebsten Stephen King. Um es gleich klar zu sagen: Natürlich war das politische Klima damals nicht ursächlich „schuld“ an meiner Depression. Das sehe ich heute umso klarer, als ich die heutige politische Situation um ein Vielfaches verheerender empfinde, ich darauf aber alles andere als depressiv reagiere. Doch dazu gleich mehr.</p>



<p>Der Satz, den wohl jeder Depressive am häufigsten denkt oder sagt, ist: „Ich kann nicht.“ Was konkret alles nicht gekonnt wird, ist individuell etwas unterschiedlich. Ich fand in jener Zeit in der Bahnhofbuchhandlung ein Selbsthilfe-Buch, das im ersten Kapitel vorschlug eine vollständige Liste aller Dinge zu machen, die man &#8222;nicht kann&#8220;. Diese sollte man sich anschließend mit möglichst lauter Stimme mehrfach selbst vorlesen. Im zweiten Kapitel wurde dann vorgeschlagen, in genau dieser Liste lediglich das Wort „kann“, durch das Wort „will“ zu ersetzen. Aus „ich kann nicht“ wird also „ich will nicht“. Diese umgeschriebene Liste sollte man sich sodann zunächst leise, dann laut, selbst vorlesen und dabei auf die eigenen Emotionen achten; gar nicht so einfach unter dem Eindruck einer akuten Depression. Im dritten Kapitel, dem letzten von dem ich hier berichten will, sollte der Leser seine Liste ein weiteres mal umschreiben. Aus dem bloßen „ich will nicht“ sollte ein „ich will nicht und ich muss auch nicht“ werden. Ich habe leider dieses wertvolle Büchlein &#8211; ich war damals knapp bei Kasse &#8211; nicht gekauft und auch seinen Titel vergessen. Allerdings hatte es auch so einen sehr heilsamen Effekt. Es zeigte mir einen Weg zur inneren Freiheit, die damals für mich letztlich auf einem Nein, also auf einer Verweigerung basierte. Man darf doch nicht einfach Nein sagen. Man kann doch nicht einfach sagen, ich will dies oder das nicht; schon gar nicht, wenn man selbst keinen besseren Vorschlag hat. So dachte ich damals und so denken wohl viele Depressive. Die tolle Erkenntnis war: Doch, das darf „man“! Und ich darf das auch &#8211; in allen meinen Angelegenheiten!</p>



<p>Die Bedeutung dieser Episode für die aktuelle politische Situation wird hier schnell offensichtlich. Gerade am Beispiel der „Refugees-Welcome-Politik“ kann man sehr schön sehen, wie jede Verweigerung unter maximaler, politisch-medialer Ächtung steht: Man „muss“ doch helfen. Man „muss“ doch Menschen aus „Seenot“ retten. Ihr seid bloß „immer dagegen“, aber ihr habt selbst „keine Lösungen“! So und so ähnlich hört man es täglich. Diesen moralisierenden Anwürfen begegnen die meisten Politiker, indem sie Sachargumente entgegenhalten: Die Aufnahmekapazitäten sind erschöpft, die finanziellen Belastungen zu hoch, wir haben Lösungen, schaut mal in unser Wahlprogramm und so weiter und so fort. Alles richtig, aber: Eine solche Argumentation akzeptiert grundsätzlich den „moralischen“ Anspruch der Gegenseite. Es ist nicht anderes als ein depressives „wir können nicht“. Ganz anders reagierte Alexander Gauland, der Merkels berühmter Durchhalteparole den Satz entgegenhielt: „Wir können und WIR WOLLEN DAS GAR NICHT schaffen!“. Er vollzog damit genau diesen gedanklichen Schritt vom nicht können zum nicht wollen. Der Satz hatte eine immens befreiende Wirkung in der politischen Diskussion. Gauland wirkte hier gewissermaßen als ein echtes politisches Antidepressivum! Es ist die innere Freiheit eines jeden Menschen, selbst zu bestimmen, was er will und was nicht. Kurz gesagt: Ich muss gar nichts wollen! Und noch nebenbei bemerkt: Wenn einem jemand absoluten Unsinn abverlangt, dann ist bloßes „dagegen sein“ schon mindestens 95% der Lösung! Da braucht man nicht wirklich eine eigene Agenda. Ein Nein genügt:</p>



<p>Merkels Flüchtlingspolitik?<br>Will ich nicht!<br>Und: „Will ich nicht“ ist als Begründung der Ablehnung völlig ausreichend!</p>



<p>Warum ist nun aber dieser Artikel mit „Loblied auf die Depression“ überschrieben? Weil die Depression ein erster Schritt ist. Sie ist der erste Schritt raus aus dem „weiter so“ und „wir schaffen das“. Sie ist das Ende des „Funktionierens“ für eine Aufgabe, deren Sinn und Zweck man nicht wirklich erkennen kann. Sie ist die erste verdruckste Äußerung von „ich kann nicht“, wo man „ich will nicht“ oder „ich mag nicht mehr“ meint. Die Psyche verweigert rein intuitiv einer falschen Sache den Dienst. Deshalb ist die Depression auch gesellschaftlich ein so wichtiges Alarmzeichen. Und genau deshalb wird sie auch in jedem totalitären Systemen tabuisiert oder gar kriminalisiert. In Deutschland gibt es nach wie vor eine gesellschaftliche Ächtung dieses Seelenzustandes. Und selbst geringfügige Depressionssymptome werden hierzulande schnell medikamentös behandelt. Das Bild der gesunden, funktionierenden und glücklichen Menschen muss gewahrt werden. Wie heilsam wäre es aber für unsere Gesellschaft, wenn alle Depressiven mal nur für ein paar Tage ihre Tabletten absetzten und ihr Leid so gut es geht öffentlich machen würden! Es gibt heute, wie zu jeder Zeit, sehr gute persönliche wie gesellschaftliche Gründe dauerhaft niedergeschlagen zu sein. Wenn man sich die 11-Minuten-Applaus-Orgie für unsere Kanzlerin anschaut oder das 100% Ergebnis für Strahlemann Schulz oder die schönfärbenden und weichzeichnenden Artikel in den Leitmedien, dann fehlt doch in der politischen Öffentlichkeit ganz offensichtlich das gesamte negative Gefühlsspektrum. Hoffnungslosigkeit, Ohnmacht, Sorge, Angst, Skepsis, Zweifel, Trauer und auch Wut gehören aber zu jeder Zeit untrennbar zum Menschsein dazu. Diese Gefühle werden derzeit in unseren Medien einzig und allein auf die „traumatisierten Flüchtlinge“ projiziert. Dem braven Merkel-Deutschen dagegen scheint jeder Anflug negativer Emotionen wesensfremd zu sein. Nicht einmal die terroristische Ermordung seiner Landsleute vermag seine dauerhaft gute Laune zu trüben. Wenn aber derartige Gefühle dauerhaft tabuisiert werden, wenn ein Zwang zum Wohlverhalten („no hate speech“), zum Optimismus („wir schaffen das“) oder gar ein Zwang zur Zuneigung („Welcome“) besteht, dann führt das mit der Zeit unweigerlich in die psychische Totalblockade, in die Depression. Und zwar weil sich positive Gefühle nun mal nicht verordnen lassen und unsere Psyche einen solchen Betrug auf Dauer merkt. Man kann also eine Depression getrost als Zeichen verstehen, dass unsere Seele sehr gut weiß, was gut für uns ist und uns Einhalt gebietet. Sie weiß es weit besser, als es unser Verstand (einschließlich der Moral) je begreifen könnte. Von daher fällt es mir heutzutage oftmals sehr schwer, Depressive als „krank“ zu bezeichnen. Im Anbetracht der Umstände scheint mir eine Depression dagegen vielmehr eine oftmals durchaus gesunde(!) Reaktion auf die Verhältnisse zu sein. Im diesem Sinne: Mehr Depressive braucht das Land! Mehr Mut zur Depression!<br><br><em>&#8212;<br>Erstveröffentlicht am 18.08.2017 auf fischundfleisch.com:<br><a href="https://www.fischundfleisch.com/simon-niederleig/loblied-auf-die-depression-38018">https://www.fischundfleisch.com/simon-niederleig/loblied-auf-die-depression-38018</a></em></p>
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