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	<title>DDR &#8211; zitronenmarmela.de</title>
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	<title>DDR &#8211; zitronenmarmela.de</title>
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		<title>Das steht auf einem anderen Blatt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Simon Niederleig]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Sep 2022 11:52:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir sind oft hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, politisch zu kämpfen und dem Verlangen, uns nur noch um unsere eigenen Angelegenheiten zu kümmern, uns also ins Private zurückzuziehen. Wir Menschen sind Individuen ebenso wie „Gesellschaftstiere“. Und keiner dieser beiden Aspekte menschlicher Existenz lässt sich dauerhaft ausblenden, ohne dass wir an unserer Seele Schaden nehmen.]]></description>
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<p><strong>Wir sind oft hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, politisch zu kämpfen und dem Verlangen, uns nur noch um unsere eigenen Angelegenheiten zu kümmern, uns also ins Private zurückzuziehen. Wir Menschen sind Individuen ebenso wie „Gesellschaftstiere“. Und keiner dieser beiden Aspekte menschlicher Existenz lässt sich dauerhaft ausblenden, ohne dass wir an unserer Seele Schaden nehmen.</strong></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="640" height="427" src="https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2022/09/gartenparty.jpg" alt="Privates Glück oder Gesellschaftsstier?" class="wp-image-461" srcset="https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2022/09/gartenparty.jpg 640w, https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2022/09/gartenparty-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption class="wp-element-caption">Privates Glück oder Gesellschaftsstier? / Credits: Alexas_Fotos auf pixabay.com / Lizenz: pixabay-Lizenz</figcaption></figure></div>


<p>Kürzlich hatte ich Gelegenheit, zwei sehr grundsätzliche, konträre Ansichten in Bezug auf die Gegenwart unmittelbar nacheinander zu hören.<br><br>Der erste Sprecher war der Ansicht, alles sei sehr viel schlimmer geworden, als er sich jemals habe vorstellen können: Zensur, die Ausgrenzung Ungeimpfter sowie der Wille zur wirtschaftlichen und kulturellen Selbstvernichtung in diesem Land. Ihm sei angst und bange um die Zukunft.<br>&#8211; Er sprach mir aus dem Herzen.<br><br>Der zweite Redner sagte, auch er hab Zukunftsängste, aber erfahrungsgemäß sei letztendlich immer alles nicht so schlimm gewesen, wie er anfangs gedacht habe. Irgendwie gehe es immer weiter. Geld und materieller Wohlstand seien nicht alles. Er habe persönlich schon schlimmere Zeiten erlebt.<br>&#8211; Auch diese Sichtweise sprach mich sehr an.<br><br>Die beiden sprachen nur für sich, über ihre persönliche Einschätzung der Zukunft, ohne erkennbare politische Motivation.<br>Man kann nun sagen, so sei das nun einmal mit dem wankelmütigen Volk, dass es wechselnden Rednern mit völlig konträren Meinungen gleichsam applaudiert. Doch verhält es sich hier nicht viel mehr so, dass zwei unterschiedliche Perspektiven in Bezug auf denselben Punkt im Raum und Zeit geäußert wurden. Die innere und die äußere Wahrheit sind einfach unterschiedliche An-sichten, also unterschiedliche Seiten, des gleichen Sachverhalts. Keine davon ist dabei unbedeutend. Und oft schwanken auch wir selbst zwischen dem Kampf im Äußeren und dem dauerhaften Rückzug in privates Glück oder zumindest doch private Zufriedenheit.<br><br>Auch in den unterdrückerischen Systemen der Geschichte und selbst in den grausamsten Zeiten war immer persönliches Glück und persönliche Sinnfindung möglich. Selbst in Ghettos wurde zuweilen gelacht, geliebt und geheiratet. Der in Deutschland leider viel zu unbekannte <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Viktor_Frankl" target="_blank">Victor Frankl </a>entwickelte gar seine gesamte „Logotherapie“, zu Deutsch „Sinntherapie“, aus seinen verzweiflungsvollen Erfahrungen in vier verschiedenen Konzentrationslagern. Dass so etwas möglich ist, sollte uns sehr zuversichtlich stimmen.<br><br>Lassen wir uns also nicht von den politischen Umständen entmutigen. Glück, Sinn und Lebensfreude werden auch in Zukunft erfahrbar bleiben. Doch lassen wir uns ebenso wenig vom Streben nach lediglich privater Geborgenheit zum duldsamen, passiven Mitläufer einer zunehmend totalitärer agierenden Gesellschaft machen. Die immer noch existierende Möglichkeit zu privatem Glück, ist keine Entschuldigung, politische Repressionen und Grundrechtseinschränkungen sklavisch hinzunehmen. Wir dürfen uns nicht vorlügen, dass die Welt doch eigentlich in Ordnung sei, weil wir noch Fleisch auf dem Teller haben und die Sonne noch in unserem Garten scheint. Denn dann werden diese privaten Räume immer kleiner werden – und dies nicht nur für uns, sondern für alle Menschen in unserem Land, an denen uns etwas liegt.<br><br>Wolf Biermann brachte zu &#8222;DDR&#8220;-Zeiten die Erfahrung persönlichen Glücks unter bedrückendsten gesellschaftlichen Umstehenden sehr knapp und präzise zum Ausdruck. Sein Lied <a rel="noreferrer noopener" href="https://youtu.be/WY5S9cBfh3s" target="_blank">„Die habe ich satt“</a>, das heute wohl ganz klar als „Hassrede“ gebrandmarkt würde, endet auf die Zeilen:</p>



<p><em>Und was ich da an Glück auch fand<br>Das steht auf einem anderen Blatt<br>Ich hab es satt!</em></p>



<p>An diesem Punkt sind sehr viele von uns heute wieder angekommen.</p>
<p><a class="a2a_button_facebook" href="https://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=https%3A%2F%2Fzitronenmarmela.de%2F2022%2F09%2F02%2Fdas-steht-auf-einem-anderen-blatt%2F&amp;linkname=Das%20steht%20auf%20einem%20anderen%20Blatt" title="Facebook" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_x" href="https://www.addtoany.com/add_to/x?linkurl=https%3A%2F%2Fzitronenmarmela.de%2F2022%2F09%2F02%2Fdas-steht-auf-einem-anderen-blatt%2F&amp;linkname=Das%20steht%20auf%20einem%20anderen%20Blatt" title="X" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_whatsapp" href="https://www.addtoany.com/add_to/whatsapp?linkurl=https%3A%2F%2Fzitronenmarmela.de%2F2022%2F09%2F02%2Fdas-steht-auf-einem-anderen-blatt%2F&amp;linkname=Das%20steht%20auf%20einem%20anderen%20Blatt" title="WhatsApp" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_telegram" href="https://www.addtoany.com/add_to/telegram?linkurl=https%3A%2F%2Fzitronenmarmela.de%2F2022%2F09%2F02%2Fdas-steht-auf-einem-anderen-blatt%2F&amp;linkname=Das%20steht%20auf%20einem%20anderen%20Blatt" title="Telegram" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_email" href="https://www.addtoany.com/add_to/email?linkurl=https%3A%2F%2Fzitronenmarmela.de%2F2022%2F09%2F02%2Fdas-steht-auf-einem-anderen-blatt%2F&amp;linkname=Das%20steht%20auf%20einem%20anderen%20Blatt" title="Email" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_dd addtoany_share_save addtoany_share" href="https://www.addtoany.com/share#url=https%3A%2F%2Fzitronenmarmela.de%2F2022%2F09%2F02%2Fdas-steht-auf-einem-anderen-blatt%2F&#038;title=Das%20steht%20auf%20einem%20anderen%20Blatt" data-a2a-url="https://zitronenmarmela.de/2022/09/02/das-steht-auf-einem-anderen-blatt/" data-a2a-title="Das steht auf einem anderen Blatt"></a></p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Großdemonstrationen. Und dann?</title>
		<link>https://zitronenmarmela.de/2018/04/30/grossdemonstrationen-und-dann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Simon Niederleig]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Apr 2018 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Demonstrationen]]></category>
		<category><![CDATA[Proteste]]></category>
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					<description><![CDATA[Jeder Widerstandskampf folgt eigenen Gesetzen. Die Erfolgsrezepte vergangener Revolten sind auch immer den jeweils Herrschenden bekannt; die Gegenstrategien liegen griffbereit in ihren Schubladen. Daher müssen jetzt neben den Großdemonstrationen neue Protestformen entwickelt werden. Und der Widerstand auf der Straße braucht eine Perspektive, um seine volle Wucht und Wirkung zu entfalten: Den Generalstreik. Im März 1969 [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Jeder Widerstandskampf folgt eigenen Gesetzen. Die Erfolgsrezepte vergangener Revolten sind auch immer den jeweils Herrschenden bekannt; die Gegenstrategien liegen griffbereit in ihren Schubladen. Daher müssen jetzt neben den Großdemonstrationen neue Protestformen entwickelt werden. Und der Widerstand auf der Straße braucht eine Perspektive, um seine volle Wucht und Wirkung zu entfalten: Den Generalstreik.</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="682" src="https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2022/06/crowd-ga83fe40de_1280-1024x682.jpg" alt="Fahnenmeer" class="wp-image-229" srcset="https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2022/06/crowd-ga83fe40de_1280-1024x682.jpg 1024w, https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2022/06/crowd-ga83fe40de_1280-300x200.jpg 300w, https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2022/06/crowd-ga83fe40de_1280-768x512.jpg 768w, https://zitronenmarmela.de/wp-content/uploads/2022/06/crowd-ga83fe40de_1280.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Fahnenmeer, Quelle: pixabay.com</figcaption></figure>



<p>Im März 1969 fanden sich rund 1 Millionen Menschen in Cape Canaveral an der Startrampe ein, um den Start der Apollo 9 Mission mitzuerleben. Kaum ein Jahr später im April, als die Apollo 13 Mission startete, waren nur noch 70.000 Schaulustige vor Ort. Selbst die herausragendsten Menschheitsleitungen unterliegen also unerbittlich der Halbwertszeit menschlicher Aufmerksamkeit.<br>Auch regierungskritische Demonstrationen sind&nbsp; – so bedauerlich das auch sein mag – den gleichen menschlichen Wahrnehmungsprinzipien und Gewöhnungseffekten unterworfen. Die historischen Montagsdemonstrationen in der „DDR“, die 1989 die Mauer zu Fall brachten, scheinen diese Abnutzungsthese zu widerlegen. Nicht von ungefähr griffen deshalb 2014 die ersten PEGIDA-Demonstranten in Dresden auf die scheinbar erprobte Tradition der Demonstration im Wochenintervall zurück. Nur „scheinbar“ erprobt, weil diese Demonstrationen in einem historisch völlig anderem Kontext stattfanden, nämlich in einer&nbsp; real existierenden, sozialistischen Diktatur: In der „DDR“ gab es für die Widerständler keinerlei Möglichkeiten der öffentlichen Kommunikation untereinander.</p>



<p>Nicht nur, dass es damals dort selbstverständlich noch kein Internet gab, sondern man muss sich erinnern, dass selbst der Zugang zu derart banalen Kommunikationsmitteln wie Telefonen und Fotokopieren strikt limitiert und kontrolliert war. Den Demonstranten blieb daher zur Mobilisierung also lediglich die Mundpropaganda. Und zur Terminfindung für die jeweils nächste Demonstration blieb so bloß die simple Verabredung, nächste Woche wieder zu gleicher Zeit an gleicher Stelle zu sein. Für jeden einfachen Demonstranten im Stasi-Staat war damals klar, dass ein Scheitern der Proteste enorme persönliche Konsequenzen bis hin zu Haft und Psychofolter nach sich ziehen würde. Ein „Rückzug ins Private“ war nach einmaliger Demonstrationsteilnahme in dem Spitzelstaat also niemandem mehr möglich. Daher war in der Rückschau die Steigerung der Teilnehmerzahlen geradezu unausweichlich.* Entweder wurden es jede Woche mehr Teilnehmer oder die Proteste verlieren die Dynamik und scheitern. Damit wäre auch das individuelle Schicksal jedes Teilnehmers besiegelt gewesen. So kam es zu&nbsp; einem geradezu boleroartigen Crescendo der Besucherzahlen, das im finalen Zusammenbruch des Regimes seinen historischen Schlusspunkt fand.</p>



<p>Nimmt man also alle diese geschichtlichen Umstände der Montagsdemos in der „DDR“ mit in den Blick, so sieht man, warum sich das damalige Konzept nicht einfach in die Merkelkratur des Jahres 2018 übertragen lässt. Die Umstände waren eben damals ganz andere. Dennoch zeigten die PEGIDA-Demonstrationen im Jahr 2014 anfangs die gleiche Dynamik wie ihr historisches Vorbild aus der Wendezeit. Und bis heute mobilisieren diese Demonstrationen wöchentlich Tausende freiheitsliebende Demokraten, die sich dort ihrer Solidarität versichern, sich vernetzen und im Kampf gegen die Abschaffung ihrer Heimat gegenseitig ermutigen. Das ist äußerst wertvoll und wird auch ewig ein historisches Verdienst von PEGIDA bleiben. Ein weiterer besonderer Erfolg der PEGIDA in Dresden besteht auch darin, dass durch die kontinuierliche Wiederholung, der Widerstand des Establishments gegen diese Veranstaltung völlig erloschen ist. Sogenannte „Gegendemonstrationen“, obgleich<br>staatlich mittelbar gefördert, können dort kaum noch mehr 20 Leute auf die Beine bringen. Der lange Atem der Demonstranten hat diesmal zwar nicht gleich das System bezwungen, aber doch dessen Lakaien eine demoralisierende Niederlage bereitet.</p>



<p>Das unerbittliche Crescendo jedoch, das die Montagsdemos in der „DDR“ einst so erfolgreich machte, fehlt allen&nbsp; Demonstrationen unserer Tage. Und unter den heutigen Bedingungen ist es auch verfehlt, eine vergleichbar kontinuierliche Steigerung zu erwarten. Man muss sich daher dringend von dieser Zielvorstellung lösen, um nicht an einem fehlgeleiteten Anspruch zu verzweifeln. Jeder Widerstandskampf folgt eigenen Gesetzen. Die Erfolgsrezepte vergangener Revolten sind auch immer den jeweils Herrschenden bekannt; die Gegenstrategien liegen griffbereit in ihren Schubladen. Daher müssen jetzt neben den Großdemonstrationen neue Protestformen entwickelt werden.</p>



<p>Tatsächlich gibt es derzeit ja auch einen wahren Gründerboom an kleinen und kleinsten Demonstrationen und Mahnwachen. Die meisten davon richten sich insbesondere gegen die von Merkel mutwillig importierte Migrantengewalt. Aber auch das Zensurgesetz NetzDG, die Zwangsgebühr GEZ, der Windkraftwahnsinn, die Kriegstreiberei gegen Russland bieten Anlässe für organisierten Protest auf der Straße. Jedes dieser Themen gilt dem Mainstream der Medien als „rechts“ &#8211; und das ist gut so! Die AfD als Vertreterin der bürgerlichen Rechten hat somit quasi ein Monopol auf Protestthemen. Dieses Potential gilt es in voller Breite zu mobilisieren und auf die Straße zu bringen. Die Teilnehmer neuer Protestinitiativen finden im ersten Schritt meist über sogenannte Soziale Netzwerke im Internet zusammen. Sie unterlaufen anfangs wegen ihrer geringen Teilnehmerzahl und spontanen Organisation mitunter sogar die Frühwarnsysteme der sogenannten „Antifa“ und anderer Kettenhunde des Altparteienkartells. Oftmals sind nicht einmal Anmeldungen solcher Kleinstproteste nötig, was in Zeiten ideologisch deformierter Behördenmitarbeiter ein weiterer wichtiger Vorteil sein kann.</p>



<p>Die vielen kleinen Initiativen bieten die Chance kreative Konzepte und Protestformen zu entwickeln und zu erproben. Dabei ist es nicht schlimm, wenn die Teilnehmerzahlen einzelner Gruppierungen schwanken oder wenn eine Initiative nach kurzer Zeit keinen Zulauf mehr hat. Schlimm wäre es, es nicht versucht zu haben und keine Erfahrungen zu sammeln. Dezentrale Gruppen sind für Merkel und ihre Schergen sehr schwer zu überwachen, zu diffamieren und zu bekämpfen. Aus den zahllosen kleinen und mittleren „Rinnsalen“, kann dann am Ende aber doch der „breite Strom“ werden, der das politische Establishment hinweg spült. Die künftigen Protestveranstaltungen werden von einer Vielzahl von kooperierenden Veranstaltern getragen werden müssen. Diese flexiblen Kooperationen gilt es nun verstärkt auszuprobieren und zu entwickeln.</p>



<p>Sicher wird es auch in naher Zukunft wichtig sein, in umfassenden Großdemonstrationen das schiere Mobilisierungspotential der vereinten Widerstandskräfte sichtbar zu machen. Und so richten sich viele Hoffnungen auf die avisierte Großkundgebung der AfD in Berlin. Früher oder später wird es sie geben. Und ich bin absolut sicher, dass die AfD dann auch eine beeindruckende Menschenmenge wird mobilisieren können. Und sicher werden dann dort vor Tausenden Menschen auch exzellente Reden gehalten, denen sich im Grunde kein vernunftbegabter Mensch wird verschließen können. So wie es die AfD bereits jetzt im Bundestag vorführt. Und dann? Dann geht alles weiter wie gehabt! Denn weder Vernunft noch der Verdruss des eigenen Volkes sind in irgend einer Weise handlungsleitend für die derzeit Regierenden. Im Gegenteil haben Merkel und Konsorten bereits gehörige Erfahrung im Ignorieren und Aussitzen von Protesten gesammelt. Sie haben nach dem letzten Bundestagswahlergebnis mehr als klar gemacht, dass ihnen die Belange des eigenen Volkes ziemlich egal sind, solange sie sich nur irgendwie an der Macht halten können. Selbst eine Minderheitenregierung hatte die Merkel-Clique für den Fall des Scheiterns der GroKo-Verhandlungen nicht ausgeschlossen.</p>



<p>Und da soll jetzt jemand glauben, ein paar AfD-Großkundgebungen würden in diesem Land politisch etwas verändern? Doch das könnten sie! Solche Demonstrationen könnten tatsächlich etwas ändern, aber nur, wenn diese Veranstaltungen nicht als Selbstzweck und Ziel begriffen werden, sondern als Anfang zu etwas Neuem. Der Widerstand braucht eine Perspektive. Er braucht eine Möglichkeit den Protest weiter mit rechtsstaatlich vertretbaren Mitteln eskalieren zu können. Der zum Widerstand entschlossene Bürger braucht auch ein motivierendes Etappenziel auf das hingearbeitet werden kann. Die anstehenden Großdemonstrationen der AfD können nur ihre volle Wucht und Wirkung entfalten, wenn sie sich als Auftakt zu einer nächsten Phase des Widerstands verstehen: Der Ankündigung und Vorbereitung eines Generalstreiks – als Ultima Ratio des zivilen Protests.</p>



<p>*) Hierzu eine persönliche Anmerkung: Ich weiß, es lässt sich im Nachhinein leicht sagen, dass die Teilnehmerzahlen „unausweichlich“ mehr werden „mussten“.&nbsp; Für diejenigen, die damals alles riskiert haben, war das natürlich keinesfalls gewiss. Diese wirklichen Helden von damals mögen mir daher diese auktoriale Rückschau verzeihen.&nbsp; Es liegt mir absolut fern, ihren Mut auch nur um ein Jota zu schmälern. Ich empfinde tiefe Hochachtung vor jedem einzelnen Bürger in der „DDR“, der sich damals getraut hat, diesem menschenverachtenden Unrechtsregime entgegenzutreten.</p>



<p><em>&#8212;<br>Erstveröffentlicht am 29.04.2018 auf freiwelt.net:<br><a href="https://www.freiewelt.net/nachricht/grossdemonstrationen-und-dann-10073987/">https://www.freiewelt.net/nachricht/grossdemonstrationen-und-dann-10073987/</a></em></p>
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